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Kindertagespflege

Textauszug aus dem Jahresbericht 2006 der Regionalagentur Aachen über das Qualifizierungsprojekt „Khoch2", der bei Interesse hier heruntergeladen werden kann.

Klarschiff für Kids & Karriere

Betreuung für Schüler und Kleinkinder: Wie ein Modellprojekt der Stadt Herzogenrath und des FrauenKommunikationsZentrums e.V. dazu beiträgt, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu unterstützen. Maßnahmen werden vom NRW-Programm "Regionen stärken Frauen" gefördert.

Ein heller Seminarraum im frisch renovierten Bahnhof von Herzogenrath, es herrscht eine Atmosphäre konzentrierter Aufmerksamkeit. Aus der Runde der am großen Tisch versammelten Teilnehmerinnen kommen Stichworte, die sich mit der Verhütung von Gewalt unter Schülern beschäftigen: "Erfolgserlebnisse schaffen." "Eine gemeinsame Sprache finden." "Dem anderen Raum geben." "Positives hervorheben." Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass hier Frauen versammelt sind, die mit großem Engagement an die selbst gestellte Aufgabe herangehen. Eine Beobachtung, die Birgit Kuballa, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herzogenrath bestätigt: "Die Motivation der Teilnehmerinnen, die ganz unterschiedliche persönliche Voraussetzungen haben, ist enorm. Für die Qualifizierung opfern sie private Zeit, die sie neben ihrer Arbeit erübrigen müssen."

Bei der Qualifizierung geht es um eine hochwertige Betreuung von Schülern im Rahmen der Offenen Ganztagsschule (OGS) – für Nordrhein-Westfalen ein neues, noch in der Entwicklung befindliches Modell, das ein ganzes Bündel pädagogischer und organisatorischer Herausforderungen bereithält. Finanziell gefördert wird die Maßnahme durch das Programm "Regionen stärken Frauen", mit dem die Düsseldorfer Landesregierung die Erwerbstätigkeit von Frauen strukturell verbessern will, und zwar in einem doppelten Sinne: Unterstützt werden einerseits die Frauen, deren Kinder betreut werden, und ebenfalls jene, die diese Betreuungsarbeit leisten. Auch die Durchführung der Herzogenrather Maßnahme teilt sich die städtische Gleichstellungsstelle mit dem FrauenKommunikationsZentrum e.V.. 24 Frauen haben im September mit der zehnmonatigen Weiterbildung begonnen, die insgesamt stattliche 120 Unterrichtsstunden umfasst.

"Der Erwartungsdruck an die Betreuungskräfte der OGS ist hoch", erläutert Gabriele Allmann, Geschäftsführerin des FrauenKommunikationsZentrums. "Pädagogische Betreuung, Hausaufgabenbegleitung, Mittagessen, Kurse und Fördermaßnahmen, dazu die Kommunikation mit den Lehrerinnen, Lehrern und Eltern. Hinzu kommt, dass in den Schulen eine zunehmende Auffälligkeit von Kindern festgestellt wird, die sich beispielsweise in mangelnder Konzentrationsfähigkeit, durch Defizite im Sozialverhalten oder im ADS-Syndrom äußern." Im Blick auf diese hohen Ansprüche ist das Kursprogramm der Qualifizierung so zugeschnitten, dass es neben dem fachlichen Wissen auch das Selbstwertgefühl der Betreuungskräfte stärkt. "Wir legen Wert darauf, den Teilnehmerinnen das Bewusstsein zu vermitteln, dass die Betreuung eine qualifizierte und vollwertige Arbeit ist. Das trägt dazu bei, dass sie ihren Platz in dem Dreieck Eltern-Lehrerinnen/Lehrer-Betreuung finden und behaupten können", so Gabriele Allmann.

Eine weitere Besonderheit des Herzogenrather Projektes ist der Pilotcharakter. Da es bisher in NRW kein einheitliches Curriculum für die Aus- bzw. Fortbildung von Betreuungskräften für die OGS gibt, will man durch eine systematische Auswertung dazu beitragen, gesicherte Qualitätsstandards für diesen Bereich zu schaffen. Das (Fern-)Ziel besteht darin, ein anerkanntes Zertifikat für die OGS-Betreuung zu entwickeln. "Wir registrieren aber schon jetzt", so Birgit Kuballa, "dass unsere Kursteilnehmerinnen durch die Qualifizierung für die Schulen bzw. deren Träger sozusagen wertvoller werden. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil in diesem Bereich die Arbeitsverträge in der Regel nur für jeweils ein Jahr abgeschlossen werden."

Eine zweite Säule des Projekts "Klarschiff für Kids und Karriere" besteht in einer Qualifizierung für Tagesmütter, die Kinder im Alter von unter drei Jahren (U3) betreuen. Während andere Träger, die mit dem Herzogenrather Projekt kooperieren, hier vor allem die pädagogischen Kompetenzen im Blick haben, kümmert sich das Team von Gabriele Allmann und Birgit Kuballa um die ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Aspekte einer solchen Tätigkeit. "Wir sprechen hier von Frauen, die gut mit Kindern umgehen können, aber meist nur ganz wenig darüber wissen, wie man eine solche Existenz als U3-Tagesmutter wirtschaftlich organisiert und wie man sich auf dem Markt präsentiert", so Birgit Kuballa, die gleichzeitig betont: "Auch in diesem Bereich werden Zertifizierungen und Qualitätsnachweise immer wichtiger."

Die Qualifizierung zur U3-Tagesmutter umfasst nicht nur die beiden Schulungsmodule "Betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse" sowie "Organisation und Haushaltmanagement", sondern als zusätzliche Unterstützung eine individuelle Beratung, die auch die erste Zeit der Selbstständigkeit begleitet. "Betreue ich Kinder zu Hause oder eröffne ich eine externe Betreuungsgruppe? Oder suche ich die Kooperation mit einem Unternehmen, um vor Ort Betriebskindergruppen zu leiten – bei der Beantwortung solch grundsätzlicher Fragen helfen wir den Frauen ebenfalls. Und wir merken, dass das gut ankommt", sagt Gabriele Allmann. Nachdem 2006 erstmals 12 Frauen die Qualifizierung zur U3-Tagesmutter durchlaufen haben, startet im März 2007 eine zweite Gruppe.

"Eines", so resümiert Gabriele Allmann zur Halbzeit der Qualifizierungsmaßnahmen, "kann man bereits jetzt sagen: Die Projekte funktionieren nicht nur, sie sind auch super spannend."